Ein Tag, zwei Schulklassen und viele Fragen im Bundestag

Auch Bundestagsabgeordnete freuen sich immer über Blumen von Schülerinnen der Mittelschule Lenting (Foto: Privat)

Auch Bundestagsabgeordnete freuen sich immer über Blumen von Schülerinnen der Mittelschule Lenting (Foto: Privat)

„Wie stehen Sie zur Fünf-Euro-Münze?“. „Ab welchem Alter sollte Cannabis rauchen legal sein?“. „Wie finden Sie die AfD?“. „Was denken Sie über Donald Trump?“ „Sollten Smartphones im Unterricht erlaubt werden?“. „Nehmen „Wirtschaftsflüchtlinge“ den Bürgerkriegsflüchtlingen die Chance auf Einwanderung?“

Wenn Schulklassen in den Bundestag kommen wird es für die Politikerin schnell spannend. So auch am heutigen Tag. Nach einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss zur „Digitalisierung des der Energiewende“ warten im Paul-Löbe-Haus rund 40 Schülerinnen und Schüler auf Eva Bulling-Schröter. Eine Stunde steht die die energie- und klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion den Jugendlichen aus der Mittelschule Lenting nicht nur zu ihren Fachthemen wie Energiewende und Klimawandel Frage und Antwort.

Nach wenigen Minuten geht es zur Tagespolitik: Flüchtlingsfrage und die jüngsten Wahlerfolge für die rechtspopulistisch-rassistische AfD. Im Austausch mit der jungen Generation wird deutlich, dass geschürte Ängste gegen Menschen aus anderen Regionen der Welt gerade auch bei unerfahrenen Jugendlichen ihre Spuren hinterlassen. Es besteht Gesprächsbedarf: Unter Flüchtlingen sind vielleicht Terroristen? Sind Migranten krimineller als Einheimische? Viele seien doch „nur“ sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Mädchen äußern Angst vor Männern. Und dann die „Vergewaltigungen“ der Sylvesternacht in Köln. Evas Antworten helfen hoffentlich. Die Kriminalstatistiken sprechen eine deutliche Sprache: der kulturelle Hintergrund spielt bei Straftaten keine nachweisbare Rolle. Der Anteil von Migranten an Gesetzesverstößen ist nicht höher als der von Deutschen. Die Rechte hat die Ereignisse von Köln für ihre Hetze ausgenutzt. Natürlich sind Anschläge und Gewalt wie die in Paris und Brüssel unmenschlich und zu verurteilen. Aber die Täter kamen aus Frankreich und Belgien. 15 von 17 Attentätern aller islamistischer Attentate in der EU standen unter Beobachtung der Polizei. Darum gilt, nicht mit Auslandseinsätzen der Bundeswehr am Hindukusch wird „unsere Freiheit verteidigt“, sondern mit guter Polizeiarbeit. Eine interessierte Klasse, am Ende gibt es Applaus – und sogar eine Blume für Eva.

Zuhören und Köpfchen im Bundestag mit SchülerInnen der Johann-Michael-Sailer-Schule aus Ingolstadt (Foto: Privat)

Zuhören und Köpfchen im Bundestag mit SchülerInnen der Johann-Michael-Sailer-Schule aus Ingolstadt (Foto: Privat)

Nach dem Plenum und kurzem Mittagessen durchbohrt die nächste Schülergruppe Eva mit Fragen. Die knapp 30 Schülerinnen und Schüler der Johann-Michael-Sailer-Schule haben aus Ingolstadt viele Fragenzeichen mit nach Berlin gebracht. Etwa zu erlaubten Drogen („Bier soll jetzt erst ab 18 erlaubt sein“) und zu unerlaubten: „Was machen denn die Polizeihunde, wenn Cannabis erlaubt ist und jeder Gras in der Tasche hat, drehen die dann nicht durch?“. Die Linke diskutiert seit langem über eine Legalisierung weicher Drogen in Deutschland. Dabei gilt das Motto der Selbstverantwortung und des Maßhaltens. Drogenpolitik muss eine präventive, sachliche und glaubwürdige Aufklärung über die Wirkung und Risiken von Drogen ermöglichen. Nur so kann ein vernünftiger Umgang mit Rauschmitteln entwickelt werden. Und nur so können gerade Jugendliche selbstbewusst und selbstsicher mit Drogen umgehen.

Auch hier die Frage nach der Einwanderung. „Könnte man nicht in den Ländern helfen, damit die Menschen nicht nach Deutschland flüchten müssen?“ Jeder Mensch, antwortet Eva, sollte das Recht haben seine Lebensumstände zu verbessern und sich frei auf der Erde bewegen können. Aber keine und keiner geht gerne aus seiner Heimat weg. Das ist bei uns so und auch in anderen Ländern. Aber: Der realexistierende Kapitalismus macht das Leben von Millionen von Menschen im globalen Süden schwer: Klimawandel, Billig-Agrarexporte und schlimme Arbeitsbedingungen durch fehlende Gesetze in Textilfirmen oder auf Kakao-Plantagen sind nur einige Stichworte. Und natürlich die immer mehr zunehmenden Kriege mit ihren Bomben, Toten und Vertreibungen. Auch die Halbierung der Gelder für Flüchtlingscamps des UNHCR ist unmenschlich und zwingt Menschen zur Flucht vor dem Verhungern. Und natürlich müssen die deutschen Rüstungsexporte, die unter der Großen Koalition wieder angestiegen sind, endlich aufhören. Denn wer Waffen sät, der erntet Krieg – und zwingt damit Millionen von Menschen, ihre geliebte Heimat zu verlassen. Auch diese Schülergruppe bleibt als offen, gut informiert und wissbegierig in Erinnerung.

Schließlich gilt für alle (jungen) Menschen: Macht euch schlau. Seid kritisch. Und mischt euch ein! Schön, dass ihr da ward!

Guter Faktencheck gegen Vorurteile gegen Flüchtlinge von Pro Asyl hier.

 

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