Klimazeugen im Bundestag: „Das ist erst der Anfang“

Klimazeugen im Bundestag: Eva mit A.G. Guerrero Saño (rechts) und Chinma George (links) (Foto: Privat)

Klimazeugen im Bundestag: Eva mit A.G. Guerrero Saño (rechts) und Chinma George (links) (Foto: Privat)

Bei einem Treffen mit Klimazeugen haben sich Abgeordnete des Umweltausschusses über die direkten Folgen des Klimawandels im globalen Süden informiert.

A.G. Guerrero Saño aus den Philippinen berichtete von der verheerenden Zerstörung in seinem Land, als 2013 der Super-Tropentaifun Haiyan seine Heimat heimsuchte, und allein in dem Pazifikstaat über zehntausend Menschen tötete und mehrere Städte dem Erdboden gleichmachte. Durch die Macht des Sturms wurden in der Küstenstadt Taclaban Schiffe auf Siedlungen geworfen und begruben die Menschen unter sich. Ganze Straßenzüge verschwanden von der Landkarte, erzählte der Klima-Aktionskünstler vom Verlust von Familienangehörigen und Freunden.

Zwar seien die Philippinen schon immer von Taifunen betroffen, allerdings sei die Zerstörungskraft und Häufigkeit den Berichten alter Phillipinos aus dem sturmerprobten Norden des Landes ein nie dagewesenes Phänomen. Jüngsten Forschungsergebnissen bestätigen diese Beobachtungen, demzufolge die Erderwärmung  schon heute eine Zunahme der Häufigkeit von Stürmen wie Taifun Haiyan um zehn Prozent verursacht. Auch die Stärke der Superstürme wird Berechnungen von US-Forschern bis 2100 um rund 15 Prozent steigen, so eine Auswertung von 850 Taifunen seit den 1970ger Jahren.

Chinma George aus Nigeria fordert mehr Klimaschutz und Klimafinanzierung von Deutschland (Foto: Privat)

Chinma George aus Nigeria fordert mehr Klimaschutz und Klimafinanzierung von Deutschland (Foto: Privat)

Die Erwärmung des Meeres zerstört zudem die Artenvielfalt und führt zur gefürchteten Korallenbleiche. Der Klimawandel schreitet voran, die Menschen seien direkt von den Folgen des CO2-Ausstoßes betroffen. Superstürme seien „nur der Anfang“, warnte der Klimazeuge, doch „es ist nicht zu spät“ um Gegenzusteuern, so der kämpferische Aufruf von Guerrero.

Chinma George aus Nigeria legte in ihrem Augenzeugen-Bericht den Schwerpunkt auf Klimawandel und Landwirtschaft. In dem afrikanischen Land sei besonders der wüstennahe Norden von steigenden Temperaturen und Dürren betroffen, die Kornkammer der 173-Millionen-Nation stehe zunehmend unter Klimastress. Traurige Berühmtheit habe das Austrocknen des riesigen Tschadsees im Vierländereck Nigeria, Tschad, Kamerun und Niger erlangt. 2,1 Millionen Menschen seien zu Klimaflüchtlingen im eigenen Land geworden. Bewaffnete Viehzüchter aus dem Norden würden auf der Suche nach Weidegründen immer weiter nach Süden wandern und Farmer mit Gewalt vertreiben. Auch der Zulauf zu der islamistischen Boko-Haram würde durch die sozialen Folgen des Klimawandels befeuert.

„Die Wüste kommt näher“, so George und machte die Industriestaaten für den voranschreitenden Klimawandel verantwortlich. „Der Klimawandel ist wegen des Geldes da, einige Länder machen weiter mit dem Treibhausgas-Ausstoß, weil sie davon profitieren“. Das Wirtschaftsmodell verursache Armut und Ungleichheit in Nigera, vom „trickle down“-Versprechen von Wohlstand des Neoliberalismus könne keine Rede sein: „Wir haben niemanden darum gebeten, nah am Äquator zu leben und so stark vom Klimawandel betroffen zu sein.“

Lesen Sie hier meine Anfrage und einen ND-Bericht zu Klimawandel und Migration in der MENA-Region.

Lesen Sie hier einen Klimaretter-Bericht über meine Anfrage zu den Rechten von Klimaflüchtlingen.

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