Anti-Kohleaktivistinnen aus Kolumbien und Südafrika klagen an

Deris Paz aus Kolumbien berichtet auch von Repression gegen Kohle-Gegner durch Werkschutz (Foto: Privat)

Deris Paz aus Kolumbien berichtet auch von Repression gegen Kohle-Gegner durch Werkschutz (Foto: Privat)

Die Auswirkungen der Stromgewinnung aus Kohle sind nicht nur in den Kohlerevieren der Lausitz und NRW zu sehen. Vor allem die Nachfrage nach Steinkohle aus dem Ausland und deutsche Investitionen in Kohlekraftwerke in anderen Ländern sind treibende Kräfte für noch mehr fossilen Raubbau. Bei einem Fachgespräch mit Umwelt- und Menschenrechtsaktivistinnen (organisiert u.a. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung) am Mittwoch, den 28. September 2016 aus Kolumbien und Südafrika wurde wieder einmal deutlich, dass durch die Kohletagebaue nicht nur die Umwelt, sondern vor allem auch die Menschen vor Ort in hohem Maße geschädigt werden.

Frau Makoma Lekalakala aus Südafrika von der Nichtregierungsorganisation „Earthlife“ legte die schweren Gesundheitsschäden des Kohleabbaus in Südafrika dar. Frau Lekalakala organisiert erfolgreich Kampagnen gegen Kohlekraftwerke und für eine kohlenstoffarme Wirtschaft. Earth Life hat unter anderem geschafft, dass sich zwei internationale Unternehmen aus geplanten Kohlekraftwerken in Südafrika zurückziehen. Derzeit laufen Klagen vor dem südafrikanischen Verfassungsgericht gegen den Bau des neuen Kohlekraftwerkes bei Lephalale im Distrikt Waterberg im Nordosten des Landes.

Auch Firmen und staatliche Stellen aus Deutschland treiben den Bau von klimaschädlichen Kraftwerken in Südafrika mit voran. So sind an dem Bau der zwei Kohlekraftwerke Kusile und Medupi insgesamt mindestens 19 deutsche Unternehmen beteiligt. Kredite der staatlichen KfW IPEX-Bank und zwei Exportkreditgarantien des Bundes haben den Bau erst möglich gemacht. Aber auch deutsche Energiefirmen sind mit an Bord, schließlich importieren sie Steinkohle nach Deutschland. Frau Lekalakala erklärte, dass mindestens dieselben Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards in Südafrika gelten müssten wie in Deutschland. Bei Beschwerden gegen deutsche Firmen wisse niemand der Geschädigten, dass es Beschwerdestellen gebe, an die er sich richten könne.

Eindrucksvoll legte anschließend die Kolumbianerin Deris Paz das Leben inmitten eines der weltweit größten Steinkohle-Tagebaue dar. Frau Paz ist aktiv bei Fuerza de Mujeres de Wayuu, einer indigenen Frauenorganisation. Sie kämpft gegen den Kohletagebau El Cerrejón, von dem die Lebensgrundlagen der Wayuu massiv betroffen sind. Neben den Gesundheitsschäden und Vertreibungen von Dorfbewohnern für die Kohleproduktion beschrieb die mutige Aktivistin, dass der Bergbaumulti „El Cerrejón“ (Anglo-American, BHP Billiton und Glencore) jeden Schritt von ihr überwache. Mit Blockaden von Gleisanlagen und Protestaktionen stellen sich viele Wayuu gegen die Zerstörung ihrer Heimat, die auch spirituell von besonderer Bedeutung ist. 

Wer sich vor Ort die Lebensbedingungen anschaue, der wisse, dass die bunten Prospekte von der Förderung nachhaltiger Entwicklung in den Dörfern ein falsches Bild vorspiegeln. So seien viele Familien durch geschenkte Ziegen für die Bergbaufolgen „entschädigt“ worden, doch schon diese Tiere seien mit Kohlestaublungen verseucht gewesen. Freie Bewegung sei im Abbaugebiet kaum möglich, sämtliche Infrastruktur sei Privatbesitz von „El Cerrejón“, nach Feierabend würden sämtliche Straßen für den freien Verkehr geschlossen. Als wichtigstes Anliegen brachte Paz die nötige Vernetzung der lokalen Anti-Kohle-Proteste vor, sie und ihre Mitstreiter stellen sich auf einen weiteren jahrzehntelangen Kampf ein.

DIE LINKE im Bundestag fordert seit Langem echte Unternehmensverantwortung deutscher Firmen für ihr Handeln im Ausland und gesetzliche Regeln für den Menschenrechtsschutz.

Lesen Sie hier die Misereor-Studie „Wenn nur die Kohle zählt“ zur deutschen Mitverantwortung für Kohleabbau in Südafrika.

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